Interview-Reihe «Beruf, Bildung und Digitale Transformation»

06 Okt 2022 | Digitalisierung, E-Commerce Spezialist*in, eJournal

Wir befragen Dozentinnen und Dozenten aus diversen Berufsfeldern der höheren Berufsbildung zum allgegenwärtigen Thema «Digitalisierung».

Heute im Interview
Joerg Schwenk, Lehrgangsleiter bei eFachausweis für E-Commerce Spezialist*innen mit eidg. Fachausweis. Mit diesem Interview greifen wir einen Lehrgang auf, der zu den Schweizer Digitaltagen passt. 

Joerg, wo siehst du die grössten Veränderungen durch die Digitalisierung in deinem Berufsumfeld/Fachbereich?
Die grössten Veränderungen ergeben sich bei den Menschen selbst. Denn der Umgang mit komplexen digitalen Systemen verändert die Art, wie wir arbeiten und leben. Man würde annehmen, dass dies der jungen Generation leichter fällt als uns Älteren. Doch tagtäglich erlebe ich, dass dies durchaus nicht immer der Fall ist, weil es um mehr als die reine Bedienung solcher Systeme geht: Es dreht sich um Wirkungsweisen, um soziale und kreative Kompetenzen und nicht zuletzt um eine grosse Portion Erfahrung. Lernen unterstützt uns alle dabei, diese Herausforderungen zu meistern. Um die Frage zu beantworten: Digitalisierung erbittet ein Plus an Lernbereitschaft sowie die Bereitschaft für einen intensiveren Austausch zwischen den Generationen, die im Arbeitsleben bestehen.

Glaubst du, die Digitalisierung wird deinen Beruf grundsätzlich verändern?
Ja. Digitalisierung ist nur der erste «sanfte» Schritt der Veränderung. Wird die «Künstliche Intelligenz» ein Teil davon, werden alle Berufe grundsätzlich und tiefgreifend verändert. Denn dann dreht es sich nicht mehr um die Industrialisierung von Arbeitskraft wie in der Vergangenheit, sondern um die Industrialisierung von Geisteskraft. Ich bin überzeugt: Wer heute bereits denkt, unsere Entwicklung gehe schnell voran, der wird sich auf eine weit schnellere Entwicklung in der Zukunft einstellen müssen. Die eigentliche Veränderung aber besteht darin, dass diese Entwicklung noch schneller vonstattengeht, als wir als Individuen dazulernen könnten. Kollaboration und Arbeitsteilung werden deshalb in weit höheren Massen gefordert sein.

Wie gehst du persönlich mit diesem Megatrend um?
Ich versuche stets, mich neuen Herausforderungen ohne Angst zu stellen. Manchmal schaffe ich das gut – und manchmal eben nicht. Mein persönlicher Weg besteht auch darin, anzuerkennen, dass ich gewisse Dinge nicht kann und ich mich dabei auf Andere verlassen darf. Ich bin der Überzeugung, dass allzu ikonische Führungsansprüche, wie «Der Chef bin ich», bald der Vergangenheit angehören müssen und dass sich jeder als Teil eines sozialen und leistungsfähigen Teams einzureihen hat. Es bricht damit eine Zeit an, in der Führungsneurotiker, Kontrollfreaks und Selbstdarsteller einen zunehmend schwereren Stand haben werden.

Was bedeutet die Digitale Transformation für die Berufsprüfung «E-Commerce Spezialist mit eidg. Fachausweis»?
Das wird sich zeigen. Sicherlich werden die theoretischen Inhalte schnell den Anforderungen der Wirtschaft angepasst. Denn die Verantwortlichen für diese Prüfungen kommunizieren stark mit den Arbeitgebern. Ihre Aufgabe ist es, die Kandidatinnen und Kandidaten auf die realen Herausforderungen in der Praxis vorzubereiten. Dies wiederum bedeutet, dass sich die Ausbildung mit der Wirtschaft mitentwickelt, basierend auf der Theorie von Angebot und Nachfrage. Und das kann für die Absolventinnen und Absolventen nur ein Vorteil sein. Davon bin ich fest überzeugt.

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Schweizer Digitaltage 2022

eFachausweis ist Partner der Schweizer Digitaltage 2022. Die Veranstaltung, die noch bis Ende Oktober dauert, soll den Austausch zum Thema «Digitalisierung» fördern und ihre Vorteile nachvollziehbar machen. Mehr dazu erfährst Du unter diesem Link.

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